Halloween als neues Brauchtum

Eine Pandemie macht sich breit: Halloween erobert Europa und Deutschland. Am Vorabend von Allerheiligen gibt es Halloween-Shopping in Bitburg, unzählige Halloween-Partys und viele gruselige, weil kostümierte Gestalten, die die Eifel unsicher machen. Von Irland aus über den Umweg Amerika erobert dieser Brauch das Festland und freut sich steigender Beliebtheit.

Halloween Shopping oder Party in Lützkampen. Das Fest am Vorabend von Allerheiligen bietet viele Möglichkeiten: Foto: Eifel//Weit/Creative Common

Bitburg. Die Amerikaner waren schuld. Natürlich, wer sonst. Nein, diesmal kein Handy-Gate und kein Abhörprogramm wie PRISM. Diesmal geht es um Kulturimport. Es geht um Halloween.

Natürlich, in der Kreisstadt und zahlreichen umliegenden Gemeinden ist Halloween dank der seit einem halben Jahrhundert währenden Präsenz der Amerikaner ein Teil der jährlichen Folklore. Doch unbestritten ist auch, die Feierlichkeiten am Abend vor Allerheiligen haben in den vergangenen Jahren eine neue Qualität erreicht.

Vampire, Zombies und Gespenster machen schon seit Jahren das beschauliche Lützkampen unsicher. Zur vergangenen Gruselnacht 2012 kamen auf Einladung des Jugendvereins Lützkampen rund 3500 Besucher zu einer der größten Halloweenpartys im Land.

In Bitburg wird am Donnerstag, 31. Oktober, sogar die Trierer Straße von „Untoten“ und anderen Gruselfiguren heimgesucht. In der Bierstadt geht dann bereits zum zwölften Mal die „Halloween-Einkaufsnacht“ über die Bühne. Die Macher rund um Stadtmarketing und Gewerbeverein nutzen in diesem Jahr die besonderen Gegebenheiten und illuminieren den Spittel.

Halloween: eine Tradition aus Irland

Hinter den modernen Feierlichkeiten verbirgt sich eine alte irische Tradition. Zwischen 1845 und 1849 herrschte in Irland die „Große Hungersnot“. Geplagt von Hunger und in der Hoffnung auf ein besseres Leben machten sich Millionen von Iren auf den Weg nach Amerika. Neben ihren Hoffnungen und Träumen hatten sie aber auch ihre irischen Traditionen mit im Gepäck in die neue Welt. Im Andenken an die alte Heimat zelebrierten die Menschen auch in Amerika diesen Brauch, der nun kultiviert, weiterentwickelt und zurück nach Europa exportiert wurde.

Von Frankreich aus begann Halloween einen Siegeszug über das europäische Festland. In Deutschland fanden sich vor allem zu Beginn der Neunziger viele Anhänger. Schuld daran war ein Irak-Krieg. Weil während des „Zweiten Golfkrieges“ Karneval ausgefallen war, besann man sich auf Halloween als Fest zum Verkleiden.

Fortan war der Siegeszug des Gruselkabinetts nicht mehr zu stoppen. Befeuert von Marketing-Experten der Industrie hat sich Halloween wie eine Lawine aus Kürbissymbolen, Kostümen und Süßigkeiten über das ganze Land ausgebreitet.

Der Name Halloween leitet sich aus dem englischen „All Hallows Eve(ning)“ ab. Gemeint ist damit der Vorabend von Allerheiligen. Den 1. November nutzen die Katholiken zur Andacht der verstorbenen Heiligen. Am darauf folgenden 2. November – Allerseelen – wird allen Verstorbenen gedacht.

Ähnlich der Hexen- oder auch Walpurgisnacht wird wird der Vorabend zu Allerheiligen auch gerne genutzt, um Streiche zu spielen. Während man in der Hexennacht allerdings keine Wahl hat, können an Halloween zumindest die „bösen Geister“ besänftigt werden. Dass in Amerika weit verbreitete „Trick or Treat“ findet auch hier zunehmend Verbreitung. Kinder ziehen von Haus zu Haus und rufen „Trick or Treat“, in der Eifel aber eher „Süßes, sonst gibt`s Saures“. Wer genügend Süßwaren vorhält, hat dann die Chance, von Streichen verschont zu bleiben.

Auch dieser Brauch hat eine christliche Tradition in Irland: An Allerseelen wurden kleine Brote mit Johannisbeeren an Bettler verteilt. Im Gegenzug versprachen diese, für die Seelen der Verstorbenen zu beten. Die kleinen Brote wurden übersetzt Seelenkuchen genannt.

Halloween und die Grimassen

Bleiben noch die allgegenwärtigen Kürbis-Grimassen. Die gehen auf den gewieften Iren Jack Oldfield zurück. Der Legende nach hat es der Halunke geschafft, den Teufel zu überlisten. Oldfield fing den Teufel ein und rang dem Beelzebub im Gegenzug für seine Freilassung das Versprechen ab, ihm fortan nicht mehr in die Quere zu kommen. Aber wie alles Irdische, musste auch der Schurke Oldfield das Zeitliche segnen. Sein Lebenswandel versperrte ihm den Zugang zum Himmel, aber auch der Teufel wollte Oldfield nicht in seiner Hölle haben – wer weiß, was dieser dem Teufel noch für Hörner aufgesetzt hätte -. So blieb Oldfield nur die Zwischenwelt, damit er im ewigen Dunkel aber nicht ohne Orientierung war, gab der Teufel ihm eine glühende Kohle und eine Rübe. Weil es in Amerika aber mehr  Kürbisse als Rüben gibt, hat man in den Staaten den Kürbis vorgezogen. Viele werden sich sicherlich noch erinnern: ausgehöhlte Rüben mit Kerzen standen in dieser Jahreszeit des öfteren vor der Haustür.

Halloween oder Reformationstag

Für die evangelischen Katholiken hat der 31. Oktober, auch eine herausragende Bedeutung: Der Reformator Martin Luther zog gegen den Ablasshandel der Kirche ins theologische Gefecht. Zur damaligen Zeit konnten Gläubige Ablassbriefe von der Kirche kaufen. Dieses Dokument bescheinigte ihre Sühne im Fegefeuer. Ein besonders cleverer Ablasshändler war Tetzel, der mit dem Spruch „Wenn das Geld im Kasten klingelt, die Seele aus dem Feuer springt“ warb. Für Luther zu viel des Guten. Er verfasste 95 Thesen und pinnte diese an die Schlosskirche in Wittenberg. Der Beginn der Reformation.

Heute beklagt die Kirche, dass Halloween die katholischen Traditionen in den Hintergrund drängt. Aber auch hier hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan. Sie versuchen im Umfeld von Halloween gerade jünger Menschen anzusprechen und auf die Feiertage aufmerksam zu machen. Denn Traditionen wollen gepflegt werden.

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Halloween als neues Brauchtum

von Jörg Rossler Lesezeit: 4 min
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