Genetischer Defekt Auslöser für den Tod des Babys au der Eifel?

Zwei Tage kämpften Ärzte um das Leben des Säuglings aus der Eifel, der am  vergangenen Mittwoch ins Krankenhaus eingeliefert wurde und am Donnerstag verstarb. Ein genetischer Defekt könnte das Drama ausgelöst haben.

Eifelkreis. Neun Wochen lebte der kleine Säugling mit seinen Eltern im Eifelkreis. Vergangenen Mittwoch tauchte Mutter samt Kind Hilfe suchend in der Notaufnahme des Bitburger Krankenhauses auf. Schnell erkannten die Ärzte, dass der Junge unterernährt war und dehydriert, also unter Wassermangel litt. Aus diesen Symptomen ließ sich schnell der Verdacht der Vernachlässigung ableiten.  Gerade vor dem Hintergrund des Mitte September bekannt gewordenen Falles eines Kindes aus Spangdahlem, das mit  schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, waren die Verantwortlichen sensibilisiert. Daraufhin wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen und der Säugling, nachdem er in Bitburg stabilisiert wurde,  in das Mutterhaus nach Trier verlegt. Zeitgleich ermittelte die Staatsanwaltschaft Trier gegen die Eltern wegen versuchter Tötung durch Unterlassen sowie der böswilligen Vernachlässigung. Im Mutterhaus kämpften Ärzte bis vergangenen Donnerstag vergebens um des Jungen Leben.  Noch Donnerstagnacht wurde der Leichnam nach Mainz zur Obduktion gebracht, aus diesen ersten Ergebnissen zusammen mit den Vernehmungen der Eltern und der Durchsuchung in der elterlichen Wohnung ergibt sich nun ein neuer Sachverhalt: Der kleine Junge litt an organischen Anomalien, die für seinen schleichenden Tod verantwortlich sein könnten. „Nach den jüngsten Erkenntnissen handelt es sich nicht um so genannte Rabeneltern, die ihr Kind in den Tod trieben, sondern viel mehr um eine Verkettung unglücklicher Zustände“, sagt der Trierer Oberstaatsanwalt Ingo Rhomada, der in diesem Fall für die Aufklärung zuständig ist. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft fehlte dem Kind eine für das Wachstum zuständige Drüse. „Wir ergründen nun, in wieweit  fahrlässiges Verhalten der Eltern vorliegt“,  erklärt Rhomada den neuen Ermittlungsansatz. Genügend Ansätze zum Ermitteln lieferten die Hausdurchsuchung bei den Eltern, dort fand die Polizei unter anderem Babynahrung und Utensilien, um dem Baby Muttermilch zum Trinken zu geben. Weiterhin haben die Erkenntnisse aus den polizeilichen Vernehmungen der 19-jährigen Mutter und des 26-jährigen Vaters die Scheinwerfer auf das Verhalten der Eltern vor jenem verhängnisvollen Mittwoch gedreht und erhellt, dass die Eltern bereits im Vorfeld Kontakt zu einer Hebamme und einem Kinderarzt aufnahmen, denen das Kind aber nicht vorführten. „Zu keiner Zeit bestand ein Haftbefehl gegen die Eltern, sie befanden sich in Polizeigewahrsam“, schildert Rhomada die Umstände in der vergangenen Woche.

Ein weiterer Grund, die schwerwiegenden Vorwürfe zu revidieren, war, dass die Mutter ihr Baby  persönlich ins Krankenhaus brachte. Eine Mutter mit Tötungsabsichten würde so etwas wohl nicht tun. Und trotzdem, der Vorwurf der Vernachlässigung scheint berechtigt. Denn der kleine Junge befand sich mit seinen neun Wochen in einem Alter, in dem er regelmäßig von Kinderärzten untersucht wird, diese  Nachuntersuchungen sind in Rheinland-Pfalz wie in einigen weiteren Bundesländern verpflichtend. Sie seien aber laut Staatsanwaltschaft von den Eltern nicht in Anspruch genommen worden. Warum? „Das ist die Frage die wir in unseren weiteren Ermittlungen klären wollen“, sagt der Oberstaatsanwalt, der sich von weiterführenden Untersuchungen des Leichnams Erkenntnisse zur genauen  Todesursache erhofft.

Dem Jugendamt des Eifelkreises war die Familie zuvor nicht bekannt, die Eltern noch nie polizeilich in Erscheinung getreten. Jedes Jahr werden beim Jugendamt Bitburg circa 120 Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung angezeigt – durch besorgte Ärzte oder durch Eigenrecherche. In etwa zehn Prozent der Fälle drohe  eine akute Gefahr, meint Stephan Schmitz-Wenzel von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Bei Kindswohlgefährdung ist das Jugendamt berechtigt, auf gerichtlichen Beschluss in die Elternrechte einzugreifen.  Zehn Kinder wurden aus den betroffenen Familien genommen.

Deutschlandweit werden  Elternkurse angeboten. In der Region gibt es diese Kurse unter anderem vom Deutschen Roten Kreuz, der Caritas oder dem Deutschen Kinderschutzbund. „Sie sollen einer Überforderung bei jungen Eltern vorbeugen“, sagt Rainer Hoffmann, Pädagogischer Leiter beim DRK. Falls sich nun der Verdacht der Vernachlässigung erhärtet, dann „droht den Eltern ein Strafmaß von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren“, umfasst Rhomada die Möglichkeiten. cs/jr

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Genetischer Defekt Auslöser für den Tod des Babys au der Eifel?

von Eifel // Weit Lesezeit: 3 min
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