TBB siegt in Bonn

Was für ein Geschenk: Am 2. Weihnachtsfeiertag tritt die TBB Trier beim Tabellendritten Telekom Baskets Bonn an und deklassiert die Gastgeber vor 5700 Zuschauern klar und deutlich mit 66:86. „Wir waren heute die fokussiertere Mannschaft“ – Garanten für den Sieg, stellvertretend: Ein überragender Andreas Seiferth mit 27 Punkten und 13(!) Rebounds, ein nervenstarker Jermaine Anderson, der das Tempo kontrollierte, ein teamdienlicher Trevon Hughes mit 7 Assists und eine kollektiv starke Leistung in der Verteidigung.
Trier. Die TBB Trier gewinnt mit 20 Punkten Differenz auswärts gegen die favorisierten Telekom Baskets Bonn – ein Sieg, der in dieser Höhe, dieser Konsequenz nicht vorhersehbar war. Denn auch wenn man der Aussage von Baskets-Coach Fischer nach dem Spiel folgt („Der Tabellenplatz hat in dieser Liga nichts mehr zu sagen.“), ein solches Spiel hätten selbst die optimistischsten unter den gut 200 mitgereisten Trierer Fans vor dem Sprungball nicht für möglich gehalten – und sicher auch nicht die, die sich das Spiel über den von basketball-stream.de und SPORT1 bereit gestellten Livestream kostenlos nach Hause geholt hatten.

Bonn suchte sein Heil zu Beginn im Inside-Spiel, suchte und fand den agilen Forward Jamel McLean, der das offensive Brett attackierte und zu Punkten kam. Auf Trierer Seite ist Andi Seiferth in der Zone von Beginn an präsent, es entwickelt sich ein offener Schlagabtausch mit guter Mischung aus inside und outside – mit dem Unterschied, dass Trier seine Dreier trifft. Bonn schiebt trotzdem einen schnellen Lauf ein und führt dank eines Dreipunktspiels von Jared Jordan kurzzeitig mit 14:11, danach erarbeitet sich die TBB Trier Vorteile: 14:14 durch Samenas per Dreier, 18:18 durch zwei von drei Freiwürfen von Bucknor, 18:21 durch Dreier von Ward. Die Defense der Trierer stand ebenfalls hervorragend. Beim Stand von 20:23 hat Trier den letzten Angriff des Viertels, Trevon Hughes schickt Warren Ward, der legt elegant ab auf Jermaine Bucknor, der trifft den Mitteldistanzwurf mit der Pausensirene: 20:25 nach dem ersten Viertel, Trier hatte, wider Erwarten, die Telekom Baskets Bonn gut im Griff.

Laurynas Samenas eröffnet den zweiten Abschnitt zum 20:27. Bonn ackerte, um dran zu bleiben; vor allem Jamel McLean sorgt dafür, dass der Rückstand kleiner und kleiner wird, ein Dreipunktspiel von ihm bedeutet das 27:29. Auf Trierer Seite war Stefan Schmidt zwischenzeitlich umgeknickt und humpelte vom Feld – er konnte die Partie nicht zu Ende spielen, eine Diagnose steht noch aus. Für ihn übernahm Andreas Seiferth wieder die Regie am Brett – und drehte jetzt groß auf: 13 Punkte in Folge gelangen dem Trierer Kapitän; Kurt Looby kann ihn zweimal nicht halten und foult ihn beim zweiten Mal auch noch, dazu bekommt Seiferth die wichtigen Rebounds. Ob im Setplay oder aus dem Fastbreak, wie beim 32:44 nach Vorlage von Anderson: Seiferth steht ein ums andere Mal goldrichtig, zerlegt die Bonner Defensive quasi im Alleingang. Nach einem weiteren Dreier von Mathis Mönninghoff und dem letzten Ballbesitz der ersten Halbzeit für Bonn steht es 35:47 nach zwei gespielten Vierteln. Im Trierer Fanblock herrschte Partystimmung, Seiferth hatte bereits jetzt 19 Punkte und 7 Rebounds auf dem Konto.

Oft genug ändern Halbzeitpausen etwas am Spiel des zurückliegenden Teams – hier blieb jedoch zunächst alles beim Alten: Trier kommt mit einem 11:1-Lauf aus der Kabine und schickt sich an, die Gastgeber förmlich zu überrennen. Anderson, Mönninghoff und Bucknor per Dreier, Seiferth dazwischen wie üblich am Brett – beim Stand von 36:58 nimmt Mathias Fischer die Auszeit, die ersten Pfiffe schallen von den Rängen des Telekom Dome, wo 5700 Zuschauer ihren Augen immer noch nicht trauen.

Die Auszeit bremst den Trierer Lauf zumindest temporär, der erste Bonner Dreier des Abends durch Andrej Mangold zum 39:58 und Punkte von Jared Jordan und Steve Wachalski bedeuten zumindest das 43:60, jetzt geht Henrik Rödl auf Nummer sicher und nimmt seinerseits die Auszeit. Die TBB behält das Heft in der Hand, Trevon Hughes sucht und findet Seiferth, der schließt mit Foul zum 48:68 ab. Der Schlusspunkt des Viertels ist dann noch ein Kabinettstückchen von Hughes, der mit drei Sekunden Restzeit auf der Uhr zum Korb zieht, akrobatisch abschließt und den Ball genau in dem Moment durch die Reuse fallen lässt, als die Sirene ertönt: 50:70, eine frühe Vorentscheidung.

Bonn kämpfte weiter, konnte gegen die Trierer Offensive aber nichts ausrichten; zu selbstbewusst konnten die Gäste von der Mosel jetzt aufspielen, denn alles schien an diesem Abend zu funktionieren. Bis auf 27 Punkte konnte Trier die Führung ausbauen: Jermaine Bucknor hatte mit perfektem Timing als Helfer von Andi Seiferth Enosch Wolf den Ball aus der Hand geschlagen, Jermaine Anderson gelingt daraus ein Dreipunktspiel zum 57:84. Knapp zwei Minuten vor dem Ende nahm Trier dann den Fuß vom Gas, Bonn traf seine Freiwürfe und Enosch Wolf markierte mit der Schlusssirene das deutliche Endergebnis von 66:86.

Andi Seiferth kommentierte seine Leistung gewohnt bescheiden: „Wir haben den Ball gut laufen lassen, jeder hat nach dem Extrapass gesucht, so kamen viele leichte Situationen für mich zustande. Natürlich muss man dafür immer noch richtig stehen, aber gut die Hälfte dieser Punkte geht aufs Konto meiner Mitspieler.“

Henrik Rödl (TBB Trier): „Glückwunsch an Mathias Fischer zu einem gut zusammengestellten Team, das nach einem guten Start völlig zurecht so weit oben steht, weil es schönen Basketball spielt. Veikalas, Brooks und Jordan sind vielleicht das beste Guard-Trio der Liga. Bonn ist heute definitiv nicht an ihr Potenzial heran gekommen, das hatte sicher auch mit uns zu tun. Einen Veikalas bei zwei Punkten zu halten, geschieht sicher nicht alle Tage, uns ist es heute dank unserer vielleicht besten Mannschaftsleistung bisher gelungen. Bonn wird sicher wieder zurück in die Erfolgsspur kommen, heute waren wir das fokussiertere Team. Ich hoffe, dass Stefan Schmidts Verletzung nicht schlimmer ist, er ist umgeknickt und konnte nicht zu Ende spielen.“

Matthias Fischer (Telekom Baskets Bonn): „Glückwunsch an Henrik, ich respektiere die Leistung der Trierer, die uns heute vieles weggenommen haben. Die TBB hat völlig verdient gewonnen. Was uns angeht: Man kann mal Würfe nicht treffen, oder Systeme falsch laufen. Aber wir waren von unserer Einstellung her heute einfach nicht bereit, gegen eine gute Mannschaft zu spielen. Der Tabellenplatz sagt in dieser Liga nichts mehr aus. Trier hat ein gutes Team, das wussten wir. Wir haben uns sogar speziell auf Andi Seiferth und seine linke Hand vorbereitet, aber offensichtlich nicht gut genug. Wenn wir dann in der Offense auch noch nichts treffen, dann brennt nun mal der Tannenbaum – so wie heute. Wir müssen das jetzt schnellstmöglich analysieren und an unserer Einstellung arbeiten.“

Für Trier: Petric (0), Ward (9), Hughes (11 / 7 Assists), Seiferth (27 / 13 Rebounds), Schmidt (0), Mönninghoff (6), Samenas (5), Chikoko (4), Bucknor (9), Anderson (15).

Zuschauer 5700.

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TBB siegt in Bonn

von Jörg Rossler Lesezeit: 4 min
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