Ein Innenstadtring, sie zu knechten

Über den linksdrehenden Einbahnring in der Bitburger Innenstadt wird viel und ausdauernd diskutiert. Soll die Testphase wie gefordert abgebrochen werden? Die Menschen, in deren Alltag Bitburgs Straßen eine feste Rolle spielen, sehen den Innenstadtring mit gemischten Gefühlen.

Der Innenstadtring hält Bitburg in Atem.

Bitburg. Vom Joghurt kennt man das. Es gibt linksdrehende und rechtsdrehende Milchsäure. Im Bitburger Sprachgebrauch gibt es nun seit dem Sommer eine weitere Begrifflichkeit im Zusammenhang mit linksdrehend, Der linksdrehende Einbahnring. Der ist für viele Verkehrsteilnehmer nicht nur neu, sondern auch ein veritables Ärgernis. „Ein Ring, sie zu knechten“, sagen viele Gegner über die jüngste Hausse in Bitburgs Infrastruktur.

Hätte eine direkte Bürgerbeteiligung ein anderes Ergebnis als die geplante einjährige Testphase gebracht? Ein Blick auf Facebook und die Seite „Innenstadtring nein Danke“ legt nahe, dass ein Fünftel der 13000 Stadtbürger den Innenstadtring ablehnt, falls die 2442 „Gefällt mir“-Klicker denn tatsächlich alles Bürger der Kreisstadt sind und sich somit hätten an einem Plebiszit beteiligen dürfen.

Nun, es gab keine direkte Befragung der Bürger, sondern die Volksvertreter im Stadtrat haben darüber entschieden. Bis auf Grüne, SPD und einzelne Mitglieder von CDU und Liste Streit wurde der Innenstadtring beschlossen und nun rollt der Verkehr.

Und er rollt an den Geschäften und Restaurants an der oberen Fußgängerzone vorbei. Seit es den Innenstadtring gibt, klagen sie über finanzielle Einbußen. Das führte wiederum zu einem offenen Brief an Stadtbürgermeister Joachim Kandels und einer Unterschriftenaktion, an der sich rund 300 Menschen beteiligten. Tenor: der Innenstadtring soll wieder der alten Verkehrsführung weichen.

Das halten die Befürworter im Stadtrat allerdings für verfrüht. Sie plädieren, der neuen Verkehrsführung eine Chance zu geben und die Testphase nicht vorzeitig abzubrechen. Allerdings könnte dies den Geschäftsleuten weiter schaden, daher wird nun über Lösungen diskutiert, außerdem ist ein Tempolimit im Gespräch, um das Einfädeln auf die Spuren zu erleichtern. Denn aus vielen Gründen sind die Einmündungen in den Innenstadtring an manchen Stellen schwierig. Zügig kommen die Autos aus dem Karenweg an der Ecke Trierer Straße an, da muss mancher Verkehrsteilnehmer beherzt und mit starken Nerven den Spurwechsel in Angriff nehmen. Dass dies nicht immer ohne weiteres funktioniert, hat die Polizei Bitburg bereits feststellen können. Öfters als gewohnt werden die Beamten zu Unfällen gerufen. In der ersten Oktoberwoche waren es statt der statistisch üblichen Einsätze von ein, zwei Unfällen pro Woche nun sechs.

Der innerstädtische Ring hat eine Länge von 1,33 Kilometern, davon auch 500 Meter Bundesstraße (B 257). Der Verkehr rollt vom Borenweg über Denkmalstraße, Glockenhäuschen, Dauner Straße, Römermauer, Am Markt und Karenweg.

Der linksdrehende Innenstadtring wird wie die Milchsäurekulturen die Menschen wohl noch länger beschäftigen.

Comments on this entry are closed.

Ein Innenstadtring, sie zu knechten

von Eifel // Weit Lesezeit: 2 min
0