Großer Sieg gegen „kleine Stadt in Deutschland“

Nate Linhart führte die TBB Trier zum Sieg gegen die Baskets Bonn

Die TBB feiert vor 4567 Zuschauern in der Arena in Trier einen wichtigen 70:68-Sieg gegen den rheinischen Rivalen Baskets Bonn. Bester Spieler mit überragenden 27 Punkten an diesem Samstagabend war Nate Linhart. Der in Gahanna (Ohio) geborene Amerikaner entschied zwei Sekunden vor Schluss die Partie. Trier klettert dank diesem Sieg im Derby in der Tabelle näher an Bonn heran. Die TBB liegt nun auf dem neunten Rang, die Baskets auf Platz sieben.

Trier. Frei nach dem Duktus von Kurt Cobain „Here we are now, entertain us“ kamen am Samstagabend 4567 Zuschauer in die Arena. Darunter 250 Fans aus Bonn. Sie trieb vor allem die wichtige Frage um, ob bei diesem Rhein-Mosel-Derby Jared Jordan wie im Hinspiel erneut unfassbare 16 Assists gelingen würden. Sie gelangen ihm nicht, dennoch war Jordan als Dreh- und Angelpunkt an entscheidenden Aktionen seiner Baskets beteiligt. Das Rückspiel erinnerte phasenweise an John le Carrès Spionage-Thriller über Bonn: „Eine kleine Stadt in Deutschland“.

Die Baskets blieben fast immer in Schlagdistanz, tauchten zwischenzeitlich völlig von der Bildfläche ab, pirschten sich dann auf leisen Sohlen heran und mussten sich mit der letzten Aktion des Spiels geschlagen geben.

Sekunden vor Schluss besiegelte Nate Linhart, der Mann des Tages, die Niederlage für den Tabellensiebten aus der Bundesstadt. Anschließend gestand Baskets-Coach Michael Koch die Dominanz der Trierer ein, sprach in seiner Analyse der 70:68-Niederlage von einem verdienen Sieg für das Team von Henrik Rödl: „Die TBB hatte uns heute 35 Minuten im Griff. Wir mussten verletzungsbedingt gegen Ende eine kleine Aufstellung wählen und hätten zum Schluss noch gewinnen können.“

Diesen Sieg verhinderte Triers Small Forward eindrucksvoll. Linhart steuerte zur Revanche für die 76:90-Hinspielniederlage sagenhafte 27 Punkte und neun Rebounds bei. Er war an diesem Abend eine Art Borderliner, der in der Abwehr überragend aggierte und deshalb auch mit viel Selbstvertrauen in der Offensive zuschlug. Die beiden wichtigsten Punkte waren freilich die Punkte 69 und 70, die zwei Sekunden vor Schluss den Sieg für die TBB besiegelten.

Es war seit Spielbeginn ein rassiges Derby und es wurde mit allen Mitteln und Spitzfindigkeiten ausgetragen. Das erste Viertel war recht ausgeglichen. Für Stimmung bei den TBB-Fans sorgte der Dunking von Jermaine Bucknors 2:37 Minuten vor Ende des Viertels. Weil er auch noch gefoult wurde und der anschließende Freiwurf durch den Ring fiel, betrug der Vorsprung vier Punkte (15:11). Den Schlusspunkt der ersten zehn Minuten war der Dreier von Jordan zum 17:14.

Der Gäste-Guard eröffnete auch das zweite Viertel. Seine beiden verwandelten Freiwürfe bedeuteten eine Verknappung des Trierer Vorsprungs auf 17:16. Das Spiel schaukelte anschließend wie ein Fischkutter auf hoher See hin und her. Wie man aus einer Zwei-Punkte-Führung innerhalb kurzer Zeit einen Vorsprung von sechs Punkten zaubert, dies zeigte Mitte des zweiten Viertels TBB-Center Andi Seiferth. Zuerst erinnerte er sich an den legendären Laker Abdul Jabbar und legte den Ball per Hakenwurf in den Korb, anschließend bediente er Kollege Brian Harper, der zum 24:18 verwandelte. Dann sahen die Unparteiischen ein Foul von Mathis Mönninghoff, entschieden auf unsportliches Foul an Mangold und schon war der Weg frei, Punkte auf die enteilten Trierer Korbjäger aufzuholen. Der Baskets-Guard traf aber nur einen von zwei Freiwürfen, doch den anschließenden Ballbesitz nutzte Jamel McLean zum zwischenzeitlichen 24:21. Eine gute Quote aus dem Feld von 50 Prozent brachte die TBB zur Pause mit 36:29 in Front.

Im dritten Viertel entfaltete der aus dem Fußball bewährte Doppelpass seine traumgreifende Wirkung für Triers Korbjäger: Linhart und Jarrett Howell überbrückten so das ganze Spielfeld und am Ende markierte Triers in der Talentschmiede der University of Akron ausgebildete Flügelspieler per Korbleger zum ersten Mal die zweistellige Führung (47:37). Anschließend gerieten Bonns Jordan und Basti Doreth aneinander. Nach einem Foul an McLean gab es viel zu besprechen. Der Debattierclub Doreth-Jordan lief allerdings so heiß wie ein 1000PS-Motor bei 17000 Umdrehungen. Zur Abkühlung bekamen beide ein technisches Foul gutgeschrieben. Gegen Ende des dritten Viertel kam Mönninghoff von der Bank und bewies ein lockeres Handgelenk, verwandelte in den Schlusssekunden gleich zwei Dreier in Folge. Diese Punkte bedeuteten  vor den letzten zehn Minuten die beruhigende Führung von elf Punkten (57:46) für die Moselstädter. „Dank Spieler wie Mathis haben wir gute Alternativen, dies kommt auch Linhart zugute“, freute sich Rödl nach dem Sieg inständig über die frivole Spielfreudigkeit seiner Bankangestellten.

Auf zum letzten Viertel des Abends: Beim Stand von 57:46 hatte Jordan die große Chance, sein Team mit drei Freiwürfen wieder in Schlagdistanz zu bringen. Doch der US-Amerikaner versteht sich besser auf die Vorlagen und vergab alle drei Versuche. Dank McLean gelang den Baskets in den folgenden Minuten die Aufholjagd dennoch. Beim Stand von 51:51 handelte Rödl und zog die Auszeit, um den Spielfluss der Bonner zu unterbrechen. McLean war der Widergänger, dass es in den letzten Minuten spannend und zunehmend hektisch wurde. Bonn witterte wie ein Bluthund die Fährte und glich 24.4 Sekunden vor dem Ende aus. Den zwei Punkten von Mangold vorausgegangen war ein Ballverlust von Doreth, der sich in dieser Situation von der hektischen Stimmung zu sehr vereinnahmen ließ.

Doch da war ja noch der überragende Linhart, der diese Scharte Sekunden vor dem Ende auswetzte: Offensivrebound – Korbleger – Führung zum 70:68. Zwei Sekunden vor Schluss: Auszeit. Bonns letzter Versuch, der brachte nichts mehr ein. Schlusssirene.

Am Ende steht zwar ein verdienter aber auch nach diesem Verlauf glücklicher Derby-Sieg. „Dieser Sieg war wahnsinnig wichtig für uns“, sagte Rödl in seiner Analyse. Nicht nur er weiß um die anstehenden Aufgaben, am kommenden Sonntag kommt der FC Bayern in die Arena. Linhart und seine Kollegen freuen sich schon.

TBB Trier: Linhart 27, Harper 18, Bucknor 6, Seiferth 7, Stewart 4, Mönninghoff 6, Chikoko 2, Howell 0, Doreth 0, Saibou 0

Baskets Bonn: Ensminger (6), Veikalas (7), Jordan (11), Weems (11), Vaden (8), Wohlfarth-Bottermann (0), McCray (2), Mangold (5), Thülig (2), McLean (16),

Viertelstände: I. Viertel 17:14; II. Viertel 19:15, III. Viertel 21:17; IV. Viertel 13:22

Zuschauer: 4567

Schiedsrichter: Robert Lottermoser, Julian Groll, Jens Hegemann

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Großer Sieg gegen „kleine Stadt in Deutschland“

von Eifel // Weit Lesezeit: 4 min
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