Bauern haben Angst

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Zahlreiche Bauern würden dieses Jahr ums Überleben kämpfen. Da ist sich Bauernpräsident Horper sicher. Umweltministerin Höfken sieht Chancen im Öko-Bereich und der Landtagsabgeordnete Johnen möchte über die Milchwirtschaft diskutieren.

Landwirte müssen mit sinkenden Preisen und steigendem Aufwand kämpfen. Dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes graut es vor den Weltmärkten. Andererseits wächst der Markt für Bio-Lebensmittel. Landwirte zwischen Sinnkrisen und Chancen. In Prüm wird am 15. Februar darüber diskutiert, wie man mit der Situation am Milchmarkt umgehen kann.

Michael Horper sorgt sich um seinen Beruf. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes sprach während der Jahreshauptversammlung „vom Grauen der nächsten Monate.“ Was Horper meint, ist die Entwicklung auf den Lebensmittelmärkten. Die Preise für Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Getreide und Fasswein seien im Keller. Einzig die Hühnerwirtschaft, könne derzeit für ihre Produkte einigermaßen vernünftige Preise erzielen.

Verbraucher und Politik schuld an Situation der Bauern

Schuldige für die Probleme hat Horper gefunden. Da wären zum einen die Verbraucher. Horper sprach laut eines Berichts des Trierischen Volksfreundes von der „Doppelmoral“ der Verbraucher. Von einer Geiz-ist-geil-Mentalität war die Rede. Der Verbandspräsident sagte, dass die hohen Anforderungen, die die Gesellschaft beispielsweise beim Thema Tierschutz an die Landwirtschaft stelle, auch bezahlt werden müssten.
Andererseits sieht Horper die Entscheidungen der Politiker als Problem für die Bauern. Egal ob auf Landes-, Bundes oder EU-Ebene, der Vorwurf bleibt der selbe. Horper fühlt sich im Stich gelassen und belegt dies mit mit dem gestiegenen Aufwand zur Dokumentation. Während Betriebe in schlechter Wirtschaftslage seien, müssten die Bauern immer mehr Bürokratie bewältigen, anstatt sich auf die wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Horper sprach gar von Entmündigung und dass die Auflagen die Landwirtschaft in die Knie zwingen würden. Dabei sei es doch der Wunsch, dass sich die Politik vor die Bauern stelle.

Umweltministerium fördert Öko-Landbau – Chance für Bauern?

Dass dies geschieht, hat das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat vor ein paar Tagen gezeigt. Ein neues Programm zur Förderung des ökologischen Landbaus wurde vorgestellt. Umweltministerin Ulrike Höfken hatte von einem Wachstumsmarkt für Öko-Lebensmittel gesprochen. Deshalb habe das Land auch Fördermittel bereitgestellt, damit mehr Bauernhöfe von konventionellem auf ökologischen Landbau umstellen können. (Wir berichteten hier)
Dass die Menschen mehr Geld für ökologisch produzierte Lebensmittel ausgeben würden, erklärte Höfken in Bitburg den rund 200 anwesenden Bauern. Die Politikerin der Grünen nannte einige Zahlen, um ihre Aussage zu stützen. Der Markt für Bioprodukte wachse. In Rheinland-Pfalz würden Landwirte bereits heute davon profitieren, dass sie ihre Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umgestellt hätten Im Vergleich zum Jahr 2010 sei die Ökofläche dann um rund 60 Prozent gewachsen. Derzeit liege der Anteil bei 8,5 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Rheinland-Pfalz und dank der neuen Fördermittel solle der Anteil weiter ausgebaut werden.

Podiumsdiskussion zur Milchwirtschaft

Wie es sich anfühlt, seinen Hof schließen zu müssen, darüber kann Dietmar Johnen berichten. Der ehemalige Öko-Landwirt sitzt für die Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag und hat zur Gesprächsrunde geladen. Über die „Zukunft der Milchwirtschaft in der Eifel“ wird am Montag, 15. Februar, um 11 Uhr in der Prümer Karolingerhalle gesprochen werden. Der Milchpreis sie im Keller und zahlreichen Milchbauern drohen wegen ausbleibender Einnahmen und Überschuldung Insolvenz und Betriebsaufgabe. Gerade in der Eifel sei das Risiko groß. Wie geht es mit der Milchwirtschaft in der Eifel im globalen Welthandel weiter? Wie können Milchpreiskrisen verhindert werden? Was muss sich ändern und wer kann das umsetzen? Diese Fragen will Johnen mit Martin Häusling, Mitglied des Europaparlaments und Agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Grüne/EFA, Kurt Kootz, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter Rheinland-Pfalz, Manfred Graff, Vorstandsvorsitzender der MUH Arla eG, Dr. Ludger Breloh, Bereichsleiter Grüne Produkte, Geschäftsbereich Qualitätsmanagement der REWE Group und Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (angefragt) diskutieren.

Globale Märkte treffen auf lokale Erzeuger

In der Weltwirtschaft spielt der Agrarsektor bereits seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle. Die Märkte agieren global, es wird spekuliert, sanktioniert und protegiert. Russland importiert weniger europäische Lebensmittel seit der Krise auf der Krim und China will ebenfalls weniger Milchprodukte aus der EU ins Land bringen. Diese Entscheidungen in Peking und Moskau bekommt auch der Eifeler Landwirt zu spüren. Es gibt viele Produkte und nur wenige Abnehmer. Mit dem Aufkommen der ökologisch erzeugten Lebensmittel gibt es eine Gegenbewegung. Zahlreiche Verbraucher wollen lieber regionale Produkte als den günstigsten Preis. Dies hat das Umweltministerium erkannt und will dies nun fördern. Wo bereits das nächste Problem lauert. Wenn Produkte nur dank staatlicher Investitionen auf einem Markt überleben können, ist die gefährlich. Die Nachfrage wird durch einen künstlichen Preis erzeugt. Und was sind Subventionen anderes als Steuermittel? Die Sorgen um die Landwirtschaft werden noch weiter anhalten.

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von Eifel // Weit Lesezeit: 3 min
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